KI & Entwicklung · 31. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit
Nur ein Spiel? Wie Claude Code, Godot und eine lokale Bild-KI zusammenspielen
Ich habe heute mit Claude Code ein Spiel gebaut. Klingt erstmal nach Spielerei – ist es aber nicht. Interessant ist nicht das Spiel selbst, sondern wie es entstanden ist: drei unterschiedliche Werkzeuge, die über einen offenen Standard namens MCP miteinander reden, orchestriert von einer KI, die den Überblick behält.
Kurz erklärt: Was ist MCP?
Das Model Context Protocol (MCP) haben wir hier im Blog schon einmal vorgestellt: Ein offener Standard, über den Software ihre Funktionen als „Tools" beschreibt, die ein KI-Assistent direkt nutzen kann. Statt für jede Anbindung eine eigene Speziallösung zu programmieren, spricht am Ende jede Software dieselbe Sprache – und eine KI kann mehrere davon gleichzeitig bedienen.
Genau das ist bei diesem Projekt passiert: nicht eine KI, die alles allein macht, sondern eine KI, die mehrere spezialisierte Werkzeuge über MCP miteinander verbindet.
Die drei Werkzeuge im Zusammenspiel
Claude Code ist ein KI-Assistent, der direkt im Terminal arbeitet: Er schreibt Code, liest bestehende Projekte, führt Befehle aus – und kann genau wie ein Mensch am Rechner auch andere Programme über MCP steuern.
Godot ist eine kostenlose, quelloffene Engine zur Spieleentwicklung. Über einen MCP-Server lässt sich Godot direkt aus Claude Code heraus steuern: Szenen anlegen, Objekte platzieren, das Spiel starten und testen – alles per Sprachanweisung statt Mausklick.
ComfyUI ist eine Oberfläche, um Bild-KI-Modelle lokal auf dem eigenen Rechner laufen zu lassen – ohne Cloud, ohne laufende Kosten pro Bild. Auch ComfyUI lässt sich über einen eigenen MCP-Server ansprechen: Claude Code beschreibt, welche Grafik gebraucht wird, ComfyUI liefert sie.
So sah ein Arbeitsschritt aus
Ein Beispiel aus der Praxis dieses Projekts:
Ich: "Erstelle eine 2D-Weltraum-Szene mit einem Raumschiff
und ein paar Asteroiden."
Claude Code:
→ MCP-Tool godot.create_scene wird aufgerufen
→ MCP-Tool godot.add_node für Raumschiff und Asteroiden
→ MCP-Tool comfyui.generate_image für den Raumschiff-Sprite
→ Sprite wird automatisch in Godot importiert und zugewiesen
→ Szene wird gespeichert, Projekt startet zum Testen
Der Clou: Die generierten Bilder werden nicht von Hand heruntergeladen und importiert – das übernimmt Claude Code automatisch. Ein Satz wird zu Code, Grafik und einem lauffähigen Test in einem Rutsch.
Warum das mehr ist als Spielerei
Kein Werkzeug hier ist neu. Godot gibt es seit Jahren, ComfyUI ist in der KI-Bild-Szene etabliert, Claude Code ist ein Programmierwerkzeug. Neu ist, wie selbstverständlich sie über MCP zusammenarbeiten – ohne dass für jede Kombination eine eigene Speziallösung gebaut werden muss.
Auf den ersten Blick wirkt das wie eine nette Spielerei. Für ein Unternehmen oder einen Verein steckt dahinter dasselbe Prinzip, das wir im letzten Beitrag zu MCP beschrieben haben: Wenn Software ihre Funktionen als Tools bereitstellt, kann eine KI mehrere Systeme gleichzeitig bedienen – Buchhaltung, Mitgliederverwaltung, Bildbearbeitung, was auch immer im Einsatz ist.
Und das Spiel?
Ist noch nicht fertig – wird aber weitergebaut. Sobald es soweit ist, gibt es es kostenlos zum Ausprobieren auf simple-py.de, so wie auch simple-Learn kostenlos ist.
Von Nils Kropp · simple-py